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FULLEXPERT Präzisionspedometer

Eigene Untersuchungen der Universität Bonn mit Pedometern aus Vorgängerprojekten haben bei der (Früh-)Erkennung lahmer Kühe vielversprechende Ergebnisse geliefert. Mit dem Einsatz des Differenzial- Präzisionspedometers (DPP) werden neben der Tieridentifikation die einzelnen Schritte, Anzahl Liegeereignisse und Liegedauer rund um die Uhr erfasst. Die Auswertungssoftware verarbeitet die vom Pedometer erfassten Daten zu tierindividuellen Profilen.

Di e Aktivität beschreibt in Echtzeit die Schritte pro Stunde, die ein Tier in einem definierten Zeitabschnitt zurückgelegt hat. Die Schrittzahlmessung wird durch die Bewegung bzw. Beschleunigung des Beines der Kuh registriert.

Mit dem Hinlege-Ereignis wird die tägliche Anzahl des Wechsels eines Tieres vom Stehen zum Liegen dargestellt. Die Gesamtliegedauer ist definiert als die Zeit, die das Tier pro Tag im Liegen verbringt. Liegezeiten sind immer statische Zustände des Accelerometers in Kombination des Neigungswinkels eines Beines. Beträgt der gemessene Winkel >45°, so wird die Kuh als stehend, bei einem Winkel kleiner oder gleich 45° als liegend bewertet. Damit lässt sich ein Vitalitätsprofil von jeder einzelnen Kuh erstellen.

KLAUENfitnet prüft den Einsatz der DPP als elektronische Hilfsmittel zur Erkennung von betriebseigenen Risikofaktoren und zur (Früh-)Erkennung von Lahmheiten.

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Locomotion Scoring

Zur Überprüfung der Effektivität der DPP zur Erkennung von Lahmheiten wird von den Doktoranden der Freien Universität Berlin und der Universität Bonn im zweiwöchigen Rhythmus eine visuelle Lahmheitsbeurteilung auf den Versuchsbetrieben durchgeführt. Hierfür wird für jedes Einzeltier eine Bewegungsnote von 1 - normaler Gang bis 5 - schwere Lahmheit gemäß dem Locomotion Scoring System nach Sprecher et al. vergeben.

Locomotion Scoring System nach Sprecher

1 Normal

Normaler Stand und Gang mit geradem Rücken. Lange und sichere Schritte.

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2 Leicht Lahm

Gerader Rücken im Stand, im Gehen jedoch aufgekrümmt. Der Gang ist leicht verändert.

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3 Mäßig Lahm

Gekrümmter Rücken im Stand und im Gehen. Verkürzte Schrittlänge an mindestens einer Gliedmaße.

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4 Lahm

Gekrümmter Rücken im Stand und im Gehen. Eine oder mehrere Gliedmaßen werden entlastet, können aber noch Gewicht aufnehmen.

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5 Schwer Lahm

Stark aufgekrümmter Rücken. Tiere bewegen sich nur widerwillig, die erkrankte Gliedmaße nimmt so gut wie kein Gewicht mehr auf.

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Dokumentation von Klauenläsionen mit KLAUE

Einer der Hauptbausteine für eine bessere Überwachung und Verbesserung der Klauengesundheit ist eine regelmäßige und professionelle, funktionelle Klauenpflege inklusive einer gründlichen und genauen Befunderhebung und -dokumentation von Klauenerkrankungen. Die an KLAUENfitnet beteiligten Klauenpfleger werden hierfür im Rahmen des Projekts geschult und dokumentieren ihre Befunde digital mit dem Programm KLAUE der dsp-Agrosoft GmbH. Die Auswertungen der Klauenpflege, der erhobenen Diagnosen und durchgeführten Behandlungen charakterisieren den Stand und die Entwicklung der Klauengesundheit.

Das Softwaresystem KLAUE dient speziell der Erfassung und Auswertung von Daten der Klauengesundheit. Diese werden direkt am Tier während des Arbeitsprozess mit geringem Arbeitsaufwand festgehalten. Diagnosen, Befunde, Bemerkungen zum Tier sind mit einem Fingerdruck erfassbar. Das Programm ermöglicht die Verwaltung aller Informationen zu den Betrieben, Klauenpflegern, Artikeln, Tieren, Bewertungen, Pflegemaßnahmen sowie Behandlungen und Erkrankungen.

Speziell für das Projekt wurde der KLAUE-Diagnoseschlüssel in Kooperation mit den Klauenexpertinnen Prof. Kerstin E. Müller und Dr. Andrea Fiedler auf eine KLAUENfitnet-Version erweitert, um zum Beispiel die unterschiedlichen Stadien der Dermatitis digitalis erfassen zu können, da die strategische Bekämpfung der Erkrankung auf der gründlichen und differenzierten Befunddokumentation basiert.

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Milking Parlour Walks

Zur kontinuierlichen Überwachung des Dermatitis digitalis (DD)-Status der Herde werden auf den Versuchsbetrieben im zweiwöchigen Rhythmus sogenannte Milking Parlour Walks durchgeführt. Dabei wird der Zwischenklauenspalt der Hintergliedmaßen der Tiere im Melkstand visuell auf Veränderungen, die auf DD hinweisen, begutachtet. Hierbei können abhängig vom Verschmutzungsgrad der Klauen und der Geübtheit des Bewertenden die Stadien M0, M2 und M4 der DD erkannt werden. Die Genauigkeit der DD-Erkennung durch Milking Parlour Walks im Vergleich zum Anheben des Fußes im Klauenpflegestand wurde in mehreren Studien untersucht. Obwohl im Melkstand nur die Hinterfüße begutachtet werden können, konnten dabei in den meisten Untersuchungen rund 95 % der DD-Fälle erkannt werden.

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Body Condition Scoring

Auch die Körperkondition der laktierenden Einzeltiere wird von den Doktoranden im zweiwöchigen Rhythmus auf den Betrieben dokumentiert. Unterkonditionierte Tiere sind stärker von Lahmheiten betroffen als normal konditionierte Tiere. Die Unterkonditionierung kann die Folge von Lahmheiten sein durch verringerte Futteraufnahme, aber auch die Ursache. Kühe, die Körperfett einschmelzen, haben  auch ein dünneres Ballenpolster. Das Ballenpolster besteht aus Fettgewebe, was in der Energiemangelzeit der Frühlaktation genauso eingeschmolzen wird wie das weitere Körperfett. Durch die Ballenpolster wird jeder Schritt der oft 650 kg schweren Tiere abgefedert. Ein „eingeschmolzenes“ Ballenpolster führt zur Überlastung der Lederhaut und kann zu Sohlengeschwüren und Defekten in der „Weißen Linie“ führen.

Auswertungen der Milchleistungsprüfung

In Deutschland wird derzeit die Milch von über 3,6 Millionen Kühen im Rahmen der von den Landeskontrollverbänden organisierten Milchleistungsprüfung (MLP) auf ihre Inhaltsstoffe und den Zellgehalt untersucht. Monatlich werden Kenndaten zu Milchkühen erhoben sowie von allen laktierenden Tieren eine Milchprobe zur Analyse gewonnen. Die Ergebnisse der MLP liefern ein wichtiges Werkzeug zur Überwachung der Tiergesundheit inklusive der Klauengesundheit.

Die Häufigkeit und der Schweregrad, mit denen Klauenerkrankungen auftreten, sind innerhalb eines Betriebes im Zeitverlauf nicht konstant. Vielmehr unterliegt deren Auftreten einer Dynamik, die u.a. von der Jahreszeit, den Witterungsbedingungen, dem Laktationsstadium und der Futterqualität abhängt. Hierzu liefern die Auswertungen der MLP wertvolle Informationen.  Die gemessenen Milchinhaltsstoffe (Fett, Eiweiß, Harnstoff) stellen sensible Indikatoren zur Überprüfung der Fütterung und der Stoffwechselstabilität der Tiere dar, um Probleme schon im subklinischen Stadium erkennen und bekämpfen zu können. Die MLP-Daten geben kontinuierlich Auskunft über die Milchleistung und den Reproduktionsstatus der Tiere sowie mögliche Abgänge und deren Ursachen, wodurch die Untersuchung möglicher Zusammenhänge  mit der Klauengesundheit im Rahmen von KLAUENfitnet ermöglicht wird.

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Foto: LKV Rheinland-Pfalz-Saar e.V., Labor Thalfang

Temperature Humdity Index

Hohe Umgebungstemperaturen und eine hohe Luftfeuchtigkeit erhöhen das Risiko für Klauenerkrankungen.  Die Wohlfühltemperatur der Kühe liegt, leistungsabhängig, zwischen -7 und 17°C. Bei 24°C leiden die Tiere unter leichtem, bei 27 °C unter erheblichen Hitzestress. Die Futteraufnahme sinkt, Körperfett wird abgebaut, es entsteht Ketosegefahr, was sich Wochen später an den Klauen zeigt. Die Immunabwehr der Tiere wird geschwächt und das Keimwachstum in der Umgebung der Tiere gefördert.

KLAUENfitnet bezieht kontinuierlich den sogenannten Temperature Humidity Index (THI) aus den Regionen der beteiligten Betriebe in die Auswertungen zur Klauengesundheit mit ein, um möglichen Hitzestress der Tiere einschätzen zu können. Dabei handelt es sich um tagesbezogene Daten zu mittlerer Lufttemperatur und mittlerer Feuchte, die zu einem Index verrechnet werden. Ein THI > 68 bedeutet möglichen Hitzestress. Die Daten sind nachträglich abrufbar beim Deutschen Wetterdienst.

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